Psychotherapie Ingrid Hirschfeld - Copyright Foto: Klaus Hansen

Psychologie und Therapie

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist die Behandlung seelischer Probleme mit Hilfe anerkannter Verfahren. Sie dient der Krankheitsbehandlung, d. h. der Beseitigung oder Linderung von krankheitswertigen Störungen. 1967 wurde Psychotherapie als Leistungspflicht der Krankenkassen eingeführt. Damit wurden psychische Erkrankungen den organischen gleichgestellt. Im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung werden bei der Psychotherapie eine Krankheitstheorie und eine wissenschaftlich fundierte Behandlungstechnik vorausgesetzt. Derzeit erfüllen die Tiefenpsychologische Psychotherapie – dies ist der Ansatz, den ich verfolge - und die Analytische Psychotherapie als psychodynamische Verfahren sowie die Verhaltenstherapie diese Voraussetzungen.

Daneben kann Psychotherapie auch als Lebensbegleitung genutzt werden, die der Persönlichkeitsentwicklung und –entfaltung dient sowie in der Beratung und Behandlung von problematischen Paarbeziehungen. Dies wird aber grundsätzlich nicht von gesetzlichen wie privaten Krankenversicherungen finanziert.

Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist die gemeinsame intensive Auseinandersetzung mit den Beziehungs-Schwierigkeiten, Beschwerden oder Symptomen, die im Hier und Jetzt als belastend oder quälend erlebt werden und ihren Ursprung im Damals und Dort, der eigenen Geschichte, haben. Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist insofern ein gemeinsamer, zielgerichteter Verstehensprozess mit der Möglichkeit zur Veränderung eigener Erlebens- und Verhaltensmuster und damit vielfach einhergehend einer ausgewogeneren Er-Lebensweise.

Demnach werden Zusammenhänge zwischen den aktuellen Beschwerden, der auslösenden Situation und der/den derzeitiger/n Beziehungen erarbeitet. Dabei wird davon ausgegangen, dass die frühsten Erfahrungen mit Bezugspersonen die Grundlage für alle späteren Beziehungsgestaltungen bilden und einen Niederschlag in alle seelischen Strukturen finden. D. h. frühe Beziehungserfahrungen bestimmen heute noch in hohem Maße beispielsweise mit, wie viel Nähe wir in Beziehungen ertragen können oder herbeisehnen, wie wir mit Trennungen, Kränkungen oder Wut und Aggression umgehen.

Eine wichtige Grundlage des therapeutischen Prozesses ist dabei die positive Beziehungserfahrung zwischen PatientIn bzw. KlientIn.

Die Tiefenpsychologischen Psychotherapie unterliegt einer zeitlichen Begrenzung (25 – max. 100 Sitzungen á 50 Minuten bei in der Regel einer Sitzung pro Woche). Daher ist eine klare inhaltliche Bündelung und Zielorientierung erforderlich.

Eine beträchtliche Anzahl kontrollierter Studien belegt die Wirksamkeit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie bei einer Vielzahl von Störungsbildern.

Das Gespräch ist die klassische Methode der Tiefenpsychologischen Psychotherapie. Darin integriere ich ggf. auch andere therapeutische Mittel, wie beispielsweise EMDR.


Was ist EMDR?

EMDR steht als Abkürzung für „Eye Movement Desensitisation and Reprocesing“ und wurde in den 90er Jahren in den USA von Dr. Francine Shapiro entwickelt. Es meint die Desensibilisierung gegenüber traumatischen Erfahrungen und deren Durcharbeitung mit Hilfe von Augenbewegungen. Seitdem wurde die Wirksamkeit der Methode zur gezielten Bearbeitung früher erlittener Traumatisierungen durch zahlreiche Studien bestätigt. Neben der Traumabearbeitung kann EMDR auch zur Ressourcenaktivierung eingesetzt werden. Wörtlich übersetzt heißt Ressource „zurück zur Quelle“; gemeint sind Quellen von guten Erfahrungen (früher oder aktuell), die mit einem positiven oder neutralen Körpergefühl verbunden sind und mittels EMDR verstärkt werden können.

Wann ist Psychotherapie indiziert?

Häufig ist es für Betroffene nicht einfach, zwischen eindeutig „krankhaften“ seelischen Prozessen und „normalem“ Leidenszuständen, die unvermeidlich in jedem Leben vorkommen, zu unterscheiden.

Psychische Störungen können sich in unterschiedlichen Beschwerdebildern ausdrücken:

  • in emotionalen Beschwerden wie z. B. Ängste, Stimmungsschwankungen, Depressionen mit Gefühlen von Hoffnungslosigkeit,
  • als negative Selbstgefühle wie z. B. Gefühle, ungenügend zu sein oder sich seiner selbst, seiner Identität unsicher zu sein,
  • als körperliche Beschwerden oder Schmerzen in unterschiedlichen Organen wie z. B. dem Herz-Kreislauf- System oder im Magen-Darm-Bereich,
  • als Verhaltenssymptome wie z. B. Störungen der Impulskontrolle, selbstverletzendes Verhalten oder Zwänge,
  • in problematischen Beziehungen zu anderen mit wiederkehrenden Mustern von Konflikten und Trennungen,
  • in Störungen der gewohnten Wahrnehmungs- und Denkfunktionen wie Sinnestäuschungen, flashbacks, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen,
  • in körperlichen Auffälligkeiten wie Essstörungen, nichtorganische Schlafstörungen oder nichtorganische sexuelle Schwierigkeiten.

Häufig erleben Betroffene mehrere der beschriebenen Symptome gleichzeitig. Wer das Gefühl hat, alleine nicht mehr mit seinen Schwierigkeiten zurecht zu kommen, sollte professionelle psychotherapeutische Hilfe in Erwägung ziehen.